01Das Problem: „Irgendwas sparen“ ist kein Plan
Die meisten Sparpläne entstehen nach Gefühl. 100 € klingen vernünftig, 200 € auch. Ob das am Ende reicht, weiß niemand. Erst wenn das Ziel in Euro feststeht, lässt sich die nötige Sparrate berechnen, und die Antwort ist oft überraschend.
Der wichtigste Faktor dabei ist nicht die Rendite und nicht der perfekte ETF, sondern die Zeit. Über Jahrzehnte erwirtschaftet der Zinseszins einen immer größeren Teil des Vermögens. In den späten Jahren wächst das Depot stärker durch Erträge als durch deine Einzahlungen. Wer spät anfängt, verliert genau diese Jahre.
02Schritt 1: Das Ziel in Euro
Aus der Rentenlücke wird ein Kapitalziel: Wie viel Geld musst du mit 67 haben, um 20 Jahre lang monatlich 2.900 € zu entnehmen? Mit angenommenen 3 % Rendite in der Entnahmephase sind das:

Erhöh den Sparplan automatisch um 3 % pro Jahr, eine sogenannte Dynamik. Du merkst es kaum, das Ergebnis aber deutlich.
03Schritt 2: Die nötige Sparrate
| Start mit | Spardauer | Sparrate pro Monat* |
|---|---|---|
| 32 | 35 Jahre | 367 € |
| 45 | 22 Jahre | 957 € |
Der Unterschied: 13 Jahre später anfangen heißt, dass die Sparrate auf fast das 2,6-fache steigt.
Teste deine Sparrate
Voreingestellt: 367 € über 35 Jahre, das Beispiel aus diesem Ratgeber. Wie weit kommst du mit deiner Rate?
Beispielrechnung vor Kosten und Steuern. Renditen sind nicht garantiert.
05So wächst ein Sparplan
- Selbst eingezahlt
- Zinsen und Erträge
Der Zinseszins arbeitet vor allem in den späten Jahren. Genau die verliert, wer spät anfängt.
06Nur ETF oder mit Förderung?
Ein Teil der Sparrate kann in geförderte Bausteine fließen, etwa ins Altersvorsorgedepot mit bis zu 30 % Zulage oder in die bAV mit Arbeitgeber-Zuschuss. Dann sinkt der Betrag, den du selbst aufbringen musst.
* Vereinfachte Beispielrechnung vor Kosten und Steuern. Annahmen: 6 % Rendite p. a. in der Ansparphase, 3 % in der Entnahmephase. Renditen sind nicht garantiert.
07Was jedes Jahr Warten kostet
Für das Ziel von rund 523.000 € mit 67 braucht es bei 6 % Rendite pro Jahr diese monatlichen Sparraten:
Fünf Jahre später anfangen kostet also nicht ein bisschen mehr, sondern in diesem Beispiel rund 150 € pro Monat zusätzlich, für den Rest des Berufslebens.
* Beispielrechnung vor Kosten und Steuern, nicht garantiert.
08Welche Rendite ist realistisch?
Breit gestreute Aktienmärkte haben über lange Zeiträume historisch im Schnitt etwa 6 bis 8 % pro Jahr erzielt, mit starken Schwankungen zwischendurch. Für die Planung rechnen wir vorsichtig mit 6 % vor Kosten und Steuern. Für Ziele, die weniger als zehn Jahre entfernt sind, sollte ein Teil sicherer angelegt und mit niedrigerer Rendite gerechnet werden.
- Schwankungen sind normal: Rückgänge von 20 bis 30 % in einem Jahr kommen vor.
- Durchhalten ist entscheidend: Wer im Crash verkauft, realisiert Verluste.
- Kosten zählen: 1 % mehr Kosten pro Jahr kosten über 30 Jahre einen großen Teil des Ergebnisses. Mehr dazu im Vertrags-Check.
09Was Kosten an deinem Ergebnis ändern
Ein Prozentpunkt Kosten klingt nach wenig. Über 30 Jahre ist es ein großer Teil deines Vermögens, weil die Kosten jedes Jahr vom ganzen Kapital abgehen, nicht nur von den Einzahlungen.
Ein breit gestreuter Welt-ETF kostet heute oft unter 0,2 % im Jahr. Bei Fondspolicen und Vermögensverwaltungen lohnt es sich, die Effektivkosten genau anzuschauen, denn auch dort gibt es bei den richtigen Anbietern sehr günstige Lösungen.
10Die Sparrate mitwachsen lassen
Du musst nicht mit der vollen Sparrate starten. Wenn du sie jedes Jahr um 3 % erhöhst, etwa mit jeder Gehaltserhöhung, reicht für dasselbe Ziel von rund 523.000 € in 35 Jahren ein deutlich kleinerer Start:
Am einfachsten geht das mit einer automatischen Dynamik im Sparplan oder mit der 50/50-Regel bei jeder Gehaltserhöhung.
Beispielrechnung mit 6 % Rendite pro Jahr, monatlicher Verzinsung, vor Kosten und Steuern. Rendite nicht garantiert.
11In 5 Schritten zu deiner Sparrate
- Rentenlücke berechnen: Anleitung in 5 Schritten.
- Kapitalziel ableiten: Wie viel Kapital braucht es, um die Lücke 20 bis 25 Jahre zu decken?
- Förderung abziehen: Zulagen und Arbeitgeber-Zuschüsse senken deinen eigenen Anteil.
- Sparrate festlegen und automatisieren.
- Jährlich anpassen, zum Beispiel mit jeder Gehaltserhöhung.
12Mythos oder Fakt?
Tipp auf eine Karte, um sie umzudrehen.
Über 30 Jahre werden aus 50 € monatlich bei 6 % rund 50.000 €. Jeder Euro zählt, der früh startet.
Die Zeit, die du verlierst, kannst du später nur mit deutlich höheren Raten aufholen.