01Selbstständig in Deutschland: Was anders ist
Als Selbstständiger oder Freiberufler übernimmst du alles, was bei Angestellten der Arbeitgeber und die Sozialversicherung regeln. Das ist Freiheit, aber auch Verantwortung für jedes Risiko.
| Thema | Angestellt | Selbstständig |
|---|---|---|
| Rente | Pflicht in der Rentenversicherung | meist freiwillig, Ausnahmen etwa für Lehrende oder Pflegeberufe |
| Krankheit | Lohnfortzahlung, dann Krankengeld | nur mit eigener Absicherung |
| Krankenversicherung | Arbeitgeber zahlt die Hälfte | du zahlst alles allein |
| Steuern | Lohnsteuer automatisch | Vorauszahlungen und Nachzahlungen |
| Förderung | bAV, Riester, ab 2027 Altersvorsorgedepot | Basisrente, ab 2027 erstmals Altersvorsorgedepot |
02Das Problem: Du bist dein eigenes Sicherheitsnetz
Als Selbstständiger bist du frei, aber auch allein verantwortlich. Es gibt keinen Arbeitgeber, der die Hälfte der Kranken- und Rentenversicherung zahlt, keine Lohnfortzahlung bei Krankheit und oft keine gesetzliche Rentenversicherung. Was du nicht selbst organisierst, gibt es nicht.
Gleichzeitig ist das Einkommen oft unregelmäßig. In guten Jahren fließt viel Geld, in schwachen Monaten muss der Betrieb trotzdem laufen. Steuern werden im Voraus fällig, Nachzahlungen kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt. Wer hier ohne System arbeitet, schiebt die eigene Vorsorge immer wieder auf, weil gerade etwas Wichtigeres ansteht.
Viele Selbstständige setzen deshalb auf das eigene Unternehmen als Altersvorsorge. Das kann aufgehen, aber es ist ein Klumpenrisiko. Wenn das Unternehmen beim Verkauf weniger bringt als gedacht oder gar nicht verkauft werden kann, fehlt das zweite Standbein.

Leg jede Einnahme sofort in drei Töpfe: Steuern, Betrieb, privat. Die Steuer-Nachzahlung kommt sonst immer zum falschen Zeitpunkt.
03Worum es Selbstständigen wirklich geht
Selbstständige tragen alles selbst: Steuern, Krankenversicherung, Vorsorge und das Risiko schwacher Monate. Der Wunsch dahinter ist fast immer derselbe.
- Ein schwaches Quartal, und es wird eng.
- Die Steuernachzahlung kommt überraschend und groß.
- Meine Firma ist meine einzige Altersvorsorge.
- Ruhe auch in schwankenden Monaten, durch ein festes Kontensystem.
- Ein Vermögen neben der Firma, das mir allein gehört.
- Absicherung, falls ich ausfalle, für mich und meine Familie.
04Das Fundament
- Rücklagen: 6 bis 12 Monatsausgaben plus Rücklage für Steuervorauszahlungen.
- Krankenversicherung: GKV freiwillig oder PKV, inklusive Krankentagegeld.
- Berufsunfähigkeit: Mit passender Regelung zur Umorganisation des eigenen Betriebs.
05Altersvorsorge ohne Arbeitgeber
Ab 2027 auch für Selbstständige förderfähig: bis zu 540 € Zulage im Jahr.
Beiträge steuerlich absetzbar, ideal in Jahren mit hohem Gewinn.
Flexibel für schwache Jahre, Investitionen und Ziele vor 65.
Mietfrei im Alter, sofern die Finanzierung zum Einkommen passt.
Neu für dich: So viel Zulage ist drin
Ab 2027 können Selbstständige das geförderte Altersvorsorgedepot nutzen. So viel legt der Staat auf deinen Beitrag.
Grundzulage: 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr, 25 % bis 1.800 €, maximal 540 €. Kinderzulage bis 300 € pro Kind und Jahr. Vereinfachte Darstellung.
07Krankenversicherung als Selbstständiger
Selbstständige können freiwillig gesetzlich oder privat versichert sein. In der GKV zahlen sie den Beitrag allein, nach ihrem Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. 2026 sind das inklusive Pflege und durchschnittlichem Zusatzbeitrag bis rund 1.226 € im Monat. In der PKV hängt der Beitrag von Alter, Gesundheit und Tarif ab. PKV oder GKV
Wichtig für beide: ein Krankentagegeld, denn ohne Arbeitgeber gibt es keine Lohnfortzahlung. Wer länger krank ist, muss Einkommen und Betriebskosten trotzdem decken. Krankentagegeld
08Das Kontensystem für Selbstständige
Fester Prozentsatz jeder Einnahme für Einkommen- und Umsatzsteuer.
Laufende Kosten des Unternehmens.
Fester Betrag pro Monat, auch in schwachen Monaten.
Erst 6 bis 12 Monatsausgaben Puffer, dann Altersvorsorge.
09Womit Selbstständige finanziell ständig zu tun haben
- Schwankendes Einkommen: gute und schwache Monate, die ausgeglichen werden müssen.
- Steuernachzahlungen: die klassische Liquiditätsfalle im zweiten oder dritten Jahr.
- Ausfall durch Krankheit: Ohne Krankentagegeld und BU steht das Einkommen sofort still.
- Altersvorsorge ohne Pflicht: Sie wird gern auf „wenn es besser läuft“ verschoben.
10Profi-Tipps für Selbstständige und Freiberufler
- Eigenes Steuerkonto: Einen festen Anteil jeder Zahlung sofort zurücklegen. Wie viel, hängt an deinem Steuersatz, meist sind es 25 bis 40 %.
- Krankentagegeld passend zum Bedarf: Ab wann es zahlt, richtet sich nach deinem Puffer. Wer drei Monate Rücklage hat, kann einen späteren Beginn wählen und spart Beitrag.
- Basisrente flexibel nutzen: Einzahlungen lassen sich jährlich anpassen, in guten Jahren mehr, in schwachen weniger. Der Steuervorteil wirkt im selben Jahr.
- Altersvorsorgedepot ab 2027: Erstmals bekommen auch Selbstständige Zulagen, bis 540 € im Jahr plus Kinderzulage.
- Status prüfen: Wer überwiegend für einen Auftraggeber arbeitet, sollte die Scheinselbstständigkeit ausschließen. Einige Selbstständige sind zudem rentenversicherungspflichtig, ohne es zu wissen.
11Was meine Beratung für Selbstständige konkret bringt

Kontenmodell für Steuern, Rücklagen und Privatentnahmen.
BU, Krankentagegeld und Krankenversicherung passend zu deinem Geschäft.
Basisrente und ab 2027 Altersvorsorgedepot so kombiniert, dass Zulage und Steuer wirken.
Jährlicher Check, wenn Umsatz, Team oder Pläne sich ändern.
12Mythos oder Fakt?
Tipp auf eine Karte, um sie umzudrehen.
Vielleicht. Aber was, wenn sie beim Verkauf weniger bringt als gedacht? Ein zweites Standbein schützt.
Ab 2027 können auch Selbstständige das Altersvorsorgedepot mit Zulage nutzen.