01Das Problem: Pflege ist teuer, und die Kosten steigen schneller als die Renten
Die gesetzliche Pflegeversicherung wird oft missverstanden. Sie ist keine Vollversicherung, sondern eine Teilleistung. Sie zahlt je nach Pflegegrad einen festen Betrag, und alles, was darüber hinausgeht, zahlt der Pflegebedürftige selbst.
Im Pflegeheim in Schleswig-Holstein lag der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Jahr Anfang 2026 bei 3.037 € pro Monat, 9,3 % mehr als ein Jahr zuvor. Das ist mehr, als viele Renten hergeben. Die Differenz wird aus dem Ersparten bezahlt, bis es aufgebraucht ist, und manchmal wird das eigene Haus verkauft.
Auch die Pflege zu Hause kostet Geld: Pflegedienst, Umbau des Bads, Treppenlift, Entlastung der Angehörigen. Und oft reduziert ein Familienmitglied die Arbeit, um zu pflegen, mit Folgen für das eigene Einkommen und die eigene Rente.
02Worum es wirklich geht: Selbst bestimmen, wie du gepflegt wirst
Über Pflege denkt man ungern nach. Aber wenn ich mit Mandanten darüber spreche, geht es fast nie ums Geld an sich. Es geht um Würde und um die Familie. Wer gepflegt werden muss, will selbst entscheiden, wo und von wem. Und niemand will, dass die eigenen Kinder deswegen ihr Leben umbauen müssen.
- Das Haus, für das ich ein Leben lang gearbeitet habe, wird für das Heim verkauft.
- Meine Kinder reduzieren ihre Arbeit oder zahlen für mich.
- Ich lande in irgendeinem Heim, weil Geld die Wahl trifft.
- Mein Partner gibt im Pflegefall alles Ersparte für mich aus und steht selbst ohne Reserve da.
- So lange wie möglich zu Hause bleiben, mit Hilfe, die ich mir aussuche.
- Das Vermögen bleibt für Partner und Kinder.
- Die Kinder dürfen Kinder bleiben und müssen nicht Pfleger und Zahler werden.
- Ich entscheide, solange ich es kann, und habe vorgesorgt für den Moment, in dem ich es nicht mehr kann.
Pflege ist keine Randerscheinung. Ende 2023 waren in Deutschland rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. 86 % von ihnen wurden zu Hause versorgt, rund 3,1 Millionen allein mit Pflegegeld, also überwiegend durch Angehörige. Pflege ist damit vor allem eine Familienaufgabe, und eine finanzielle.

Denk bei der Pflege auch an deine Eltern. Reichen deren Rente und Vermögen nicht, kann ab 100.000 € Jahresbrutto auch dein Einkommen betroffen sein.
03Was ein Pflegeheim wirklich kostet
Der Eigenanteil setzt sich aus dem pflegebedingten Anteil, Unterkunft und Verpflegung, Investitions- und Ausbildungskosten zusammen. Die Pflegekasse zahlt nur einen festen Betrag je Pflegegrad, alles darüber zahlst du selbst. Mit längerem Aufenthalt gibt es Zuschläge auf den pflegebedingten Anteil, die Gesamtbelastung bleibt aber hoch.
Was kostet der Heimplatz, wenn du ihn brauchst?
Ausgangspunkt ist der heutige Eigenanteil in Schleswig-Holstein von 3.037 € im Monat.
Eigenanteil im 1. Jahr laut vdek (Stand 01.01.2026), fortgeschrieben mit 2,5 % pro Jahr. Zuletzt stiegen die Kosten deutlich stärker. Ohne Leistungszuschläge für längere Aufenthalte.
05Pflege zu Hause: die Lücke, über die kaum jemand spricht
Alle reden über die Heimkosten. Dabei wollen die meisten zu Hause gepflegt werden, und auch das kostet viel mehr, als die Pflegekasse zahlt. Die gesetzlichen Leistungen für die Pflege zu Hause liegen 2026 bei:
| Pflegegrad | Pflegegeld (Angehörige pflegen) | Pflegesachleistung (Pflegedienst) |
|---|---|---|
| 2 | 347 € | 796 € |
| 3 | 599 € | 1.497 € |
| 4 | 800 € | 1.859 € |
| 5 | 990 € | 2.299 € |
Dazu kommen 131 € Entlastungsbetrag im Monat. Eine Betreuungskraft, die bei dir wohnt, kostet aber schnell 3.000 € und mehr im Monat, ein Pflegedienst mehrmals täglich ebenfalls deutlich mehr als die Sachleistung. Die Differenz zahlst du selbst, oder deine Familie zahlt mit ihrer Zeit.
- Das zahlt die Pflegekasse
- Das zahlst du selbst
06Und die Familie?
Reichen Rente und Vermögen nicht, springt das Sozialamt ein. Kinder werden erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von über 100.000 € zum Elternunterhalt herangezogen. Für viele Akademiker ist genau diese Grenze relevant.
07Wie private Pflegevorsorge funktioniert
Zahlt je nach Pflegegrad einen festen Betrag, frei verwendbar, auch für Pflege zu Hause.
Erstattet einen Teil der tatsächlichen Kosten nach Abzug der gesetzlichen Leistung.
Auch Eltern können abgesichert werden. Das schützt indirekt dein eigenes Vermögen.
Je jünger und gesünder, desto günstiger. Mit Vorerkrankungen wird es schwierig.
08Profiwissen: Woran du eine gute Pflegevorsorge erkennst
- Leistung schon ab Pflegegrad 2, besser ab 1. Die meisten Pflegefälle beginnen leicht. Ein Tarif, der erst ab Pflegegrad 4 richtig zahlt, hilft genau in den ersten Jahren nicht.
- Gleiche Leistung zu Hause wie im Heim. Manche Tarife kürzen bei häuslicher Pflege. Wer zu Hause bleiben will, braucht das volle Geld genau dort.
- Beitragsbefreiung im Pflegefall. Wer gepflegt wird, soll nicht weiter Beiträge zahlen müssen.
- Dynamik ohne neue Gesundheitsprüfung. Pflegekosten steigen jedes Jahr. Die Absicherung muss mitwachsen können.
- Einmalzahlung bei Eintritt. Für Umbauten wie ein bodengleiches Bad oder einen Treppenlift, die sofort anfallen.
Und der Zeitpunkt: Pflegezusatzversicherungen werden mit jedem Lebensjahr teurer, und mit jeder Diagnose schwieriger. Wer mit Anfang 30 abschließt, zahlt einen Bruchteil von dem, was mit 55 fällig wird. Auch für die eigenen Eltern lässt sich oft noch etwas machen, solange sie gesund sind.
09Rechenbeispiel: Drei Jahre im Pflegeheim
Mit längerer Aufenthaltsdauer sinkt der pflegebedingte Anteil durch Zuschläge der Pflegekasse etwas. Gleichzeitig steigen die Kosten Jahr für Jahr. Wie hoch der Eigenanteil in einigen Jahrzehnten sein könnte, zeigt dir der Rechner oben.
Vereinfachte Rechnung auf Basis des Landesdurchschnitts. Einzelne Heime liegen darüber oder darunter.
10Pflegegrade und was die Kasse zahlt
Seit 2017 gibt es fünf Pflegegrade, von geringer bis schwerster Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Je höher der Pflegegrad, desto höher die Leistung der Pflegekasse. Der Eigenanteil im Heim ist aber in allen Pflegegraden ähnlich hoch, weil die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen immer selbst zu tragen sind.
- Antrag bei der Pflegekasse stellen.
- Begutachtung durch den Medizinischen Dienst.
- Einstufung in einen Pflegegrad.
- Leistungen: Pflegegeld, Sachleistungen oder Heimzuschuss.
11Die häufigsten Denkfehler
- „Das zahlt die Pflegekasse.“ Nur einen Teil.
- „Die Kinder kümmern sich.“ Viele wohnen weit weg oder arbeiten Vollzeit. Und finanziell haften Kinder erst ab einem Jahresbrutto von über 100.000 €, dann aber spürbar.
- „Ich habe ja das Haus.“ Dann muss es im Ernstfall verkauft werden.
- „Damit beschäftige ich mich später.“ Mit Vorerkrankungen wird der Abschluss schwierig oder unmöglich.
Pflegevorsorge ist Teil einer guten Altersvorsorge. Auch für die eigenen Eltern lohnt es sich, das Thema anzusprechen.
12Mythos oder Fakt?
Tipp auf eine Karte, um sie umzudrehen.
Sie zahlt nur einen Teil. In Schleswig-Holstein bleiben im ersten Jahr im Schnitt 3.037 € Eigenanteil im Monat.
Auch nach Unfall oder Krankheit kann Pflegebedarf früh entstehen.