01Die Ausgangslage: Zwei Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben
Das Altersvorsorgedepot ersetzt ab 2027 die Riester-Rente für Neuverträge. Statt teurer Garantien sind ETFs möglich, die Förderung ist einfacher, und erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt. Damit wird es zu einer echten Alternative zum freien ETF-Sparplan, aber nicht zu einem Ersatz.
Der Grund: Beide Werkzeuge lösen unterschiedliche Aufgaben. Das Altersvorsorgedepot ist für den Ruhestand gebaut und belohnt dich dafür, dass du das Geld bis dahin liegen lässt. Der ETF-Sparplan ist dein flexibles Vermögen für alles, was vorher kommt.
02Der direkte Vergleich
| Altersvorsorgedepot | ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Staatliche Zulage | bis 540 € / Jahr + bis 300 € pro Kind | keine |
| Geförderter Beitrag | bis 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr | unbegrenzt, aber ungefördert |
| Verfügbarkeit | gebunden, Auszahlung frühestens mit 65 (früher nur bei Bezug einer Altersrente), spätestens mit 70 | jederzeit |
| Kosten | Standardprodukt mit Kostendeckel von 1 % im Jahr | ETF oft unter 0,3 % im Jahr |
| Steuern | Auszahlung im Alter mit persönlichem Steuersatz | Abgeltungsteuer auf Gewinne, 30 % Teilfreistellung bei Aktien-ETFs |
| Vorzeitige Entnahme | nur mit Rückzahlung der Förderung | problemlos |
So viel Zulage holst du dir
Voreingestellt: 150 € im Monat und ein Kind. Ändere Beitrag und Kinderzahl und sieh, was der Staat dazulegt.
Grundzulage 50 % auf die ersten 360 €, 25 % bis 1.800 € Eigenbeitrag (max. 540 €), Kinderzulage bis 300 € pro Kind. Vereinfachte Darstellung nach dem beschlossenen Gesetz, Stand 2026.

Bei Kindern lohnt sich das Altersvorsorgedepot besonders: 25 € im Monat pro Kind reichen für die volle Kinderzulage von 300 €. Das ist eine Förderquote, die sonst kaum ein Produkt schafft.
04Rechenbeispiel: 150 € im Monat über 30 Jahre
Angenommen, du legst 1.800 € im Jahr an, also 150 € im Monat. Im Altersvorsorgedepot kommen 540 € Grundzulage dazu (50 Cent je Euro auf die ersten 360 €, 25 Cent je Euro bis 1.800 €).
- Eigene Einzahlungen 54.000 €
- Grundzulagen 16.200 €
- Erträge
Rechnet man realistische Kosten ein, schrumpft der Vorsprung, bleibt aber deutlich: mit 1 % Kosten im Altersvorsorgedepot (5 % netto) kommen rund 155.467 € zusammen, im ETF-Sparplan mit 0,2 % Kosten (5,8 % netto) rund 137.394 €. Mit einem Kind und 300 € Kinderzulage wächst das Altersvorsorgedepot im selben Szenario auf rund 175.399 €.
Wichtig für die Einordnung: Die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot wird im Alter mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert, beim ETF-Sparplan fällt Abgeltungsteuer nur auf die Gewinne an. Wie viel davon netto bleibt, hängt deshalb an deinem Einkommen im Ruhestand. Genau das rechnen wir im Erstgespräch mit deinen Zahlen.
* Beispielrechnung mit jährlicher Einzahlung, vor Steuern. Renditen sind nicht garantiert.
05Für wen sich was besonders lohnt
Bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind und Jahr machen das Altersvorsorgedepot besonders stark. Die volle Kinderzulage gibt es bei 25 € Eigenbeitrag im Monat.
Einmalig 200 € Bonus zum Start, dazu die lange Laufzeit. Kleiner Beitrag, große Wirkung.
Erstmals förderberechtigt, auch ohne gesetzliche Rentenversicherung. Eine echte Lücke, die sich ab 2027 schließt.
Für Ziele vor 65 braucht es freies Vermögen. Hier ist der ETF-Sparplan nicht zu ersetzen.
06Drei Haushalte, drei Lösungen
150 € im Monat ins Altersvorsorgedepot für die volle Grundzulage von 540 €, dazu einmalig 200 € Startbonus. Alles darüber in einen ETF-Sparplan, damit sie für Eigenkapital oder Auszeit flexibel bleibt.
Beide Eltern nutzen das Altersvorsorgedepot. Mit zwei Kindern kommen bis zu 600 € Kinderzulage im Jahr dazu. Der Sparplan für die Kinder läuft getrennt, das Depot bleibt für die Rente.
Erstmals förderberechtigt als Versorgungswerk-Mitglied. Altersvorsorgedepot bis zur vollen Zulage, dazu Basisrente für den Steuervorteil und ein ETF-Depot für Flexibilität.
Die Logik ist bei allen gleich: Zuerst die Förderung mitnehmen, die mit wenig Eigenbeitrag am meisten bringt, dann frei und flexibel weitersparen.
07Die sinnvolle Reihenfolge
- Notgroschen aufbauen, damit nichts vorzeitig aufgelöst werden muss.
- Arbeitgeber-Geld mitnehmen: Gibt dein Arbeitgeber in der bAV mehr als den Pflichtzuschuss dazu, ist das oft der stärkste Hebel.
- Altersvorsorgedepot bis zur vollen Zulage: 1.800 € im Jahr für die volle Grundzulage, mit Kindern mindestens 25 € im Monat pro Kind.
- Alles darüber: in den freien ETF-Sparplan, für Flexibilität und Ziele vor dem Ruhestand.
Hast du noch einen alten Riester-Vertrag? Dann lies vorher den Ratgeber Riester ab 2027. Kündigen ist fast immer die teuerste Lösung.
08Was die Steuer am Ende ausmacht
Was am Ende mehr bringt, hängt von deinem Steuersatz heute und im Alter ab. Mit dem Entnahmeplan-Rechner siehst du, was aus dem ETF-Depot netto übrig bleibt.